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Die "Alte Burg"


Zu den ältesten Gebäuden Fellens zählt das ehemalige Hofhaus, einst Amtssitz der Rienecker Grafen, inmitten des Dorfes. Die "Alte Burg", wie sie im Volksmund genannt wird, dürfte im 16. Jahrhundert erbaut worden sein. Sie gehörte zu einem Hofgut mit Schafstall und diente als Getreidespeicher und Zehntscheune. Als im Jahr 1850 die Burg Rieneck vom Land Bayern verkauft wurde, erwarb die Gemeinde den Hof. "Das Hofhaus wurde der Gemeinde vom Staat aufgedrungen", schreibt Johann Fischer in seiner Chronik. Lange Zeit fand sich dann auch keine Verwendung für das stattliche Haus. Erst als beim Kirchenneubau 1874 das Hirtenhaus, das bis 1820 auch Schulhaus gewesen war, abgerissen werden musste, zog der Schweinehirt des Dorfes ein. Bald folgten weitere Mieter und nahmen das Gebäude bis unter das Dach in Anspruch.

Im Jahr 1924 brannte der zum früheren Hofgut gehörende Schafstall ab. 1966 stand das historische Gebäude wieder leer und die Meinungen über den weiteren Verwendungszweck reichten vom Abriss bis hin zur Einrichtung einer Gemeindekanzlei mit Heimatmuseum. Nach langem Tauziehen sprach sich der Gemeinderat im Jahr 1968 mehrheitlich für den Abriss aus. Doch diesen verhinderte die Denkmalschutzbehörde, so dass das Gebäude auch heute noch steht.


In der Folgezeit war das Gebäude mehrfach an Privatleute vermietet. Heute nutzt der örtliche Faschingsverein die Räume der "Burg" für seine Zwecke. Das denkmalgeschützte Bauwerk soll eine Nachbildung des berühmten "Toppler-Schlösschen" in Rothenburg o.d.Tauber sein, was sich aber bei näherem Hinsehen nicht aufrecht erhalten lässt. Auf dem massiven turmartigen Untergeschoss erhebt sich ähnlich wie beim Rothenburger Schlösschen ein mehrgeschossiger Bau, der sich allerdings in der Bauweise vom Toppler-Schlösschen stark unterscheidet. Das Fachwerk, das bei der Alten Burg gefertigt wurde, ist einfach und ohne Zierrat. Die Grundschwelle liegt auf einer Balkenlage, was ein größeres Obergeschoss möglich machte. Sie nimmt die Last der Ständer auf und verteilt sie gleichmäßig auf das steinerne Untergeschoss. Riegel und Streben versteifen die senkrechten Eck- und Zwischenständer. Querriegel dienen der oberen und unteren Begrenzung der beiden Fenster. Nichttragende Stiele geben den Gefachfüllungen zusätzlich Halt. Auf der Oberschwelle, dem Rähm, liegt das wuchtige Walmdach auf, in dem das zweite Obergeschoss und der Speicher liegt.

Bei der Innenrenovierung durch den Fellener Faschingsverein musste ein kurzer Eichenbalken aus dem Fachwerk genommen werden. Dadurch bot sich die Chance, das Alter des Gebäudes zu bestimmen. Dr. Thorsten Westphal von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt bot sich an die dafür notwendigen Untersuchungen im Rahmen seiner Forschungsarbeiten kostenlos vorzunehmen. Mit Hilfe der Dendrochronologie brachte er das alte Holz zum "Sprechen". Sie ist eine Methode, mit der man bestimmen kann, in welcher Periode ein Baum gelebt hat und wann er schließlich gefällt wurde. Das Verfahren basiert auf der Auswertung des Jahresringmusters eines Holzes. In unserer gemäßigten Klimazone bilden die Bäume jedes Jahr einen bestimmten Zuwachs, den im Querschnitt erkennbaren Jahresring aus. Dessen Breite wechselt von Jahr zu Jahr und ist abhängig vom Zusammenwirken verschiedener äußerer und innerer Einflüsse. So beeinflussen Nährstoffzufuhr, Konkurrenz zu Nachbarbäumen, Beschädigungen, Schädlingsbefall den Zuwachs an Holz. Hauptfaktor für die unterschiedliche Ausbildung von schmalen bei ungünstigen und breiten Ringen bei günstigen Bedingungen ist jedoch die Witterung des jeweiligen Jahres. Für die Untersuchung genügt eine Baumscheibe von 3 cm Durchmesser. Mit detektivischer Akribie werden die Jahresringe unter dem Mikroskop im Labor ausgemessen. Mit den Werten wird im Anschluss eine Kurve erstellt und mit Vergleichskurven, deren Alter bekannt sind, zur Deckung gebracht, um sie zeitlich einordnen zu können. Bei der vorliegenden Probe konnte Dr. Westphal nach der Auswertung von 74 Jahresringen das Pflanzen der Eiche auf das Jahr 1554 und das Fällen auf 1627 datieren. Demnach könnte das Gebäude 1628 erbaut worden sein. Doch um eine treffsichere Altersbestimmung zu erreichen, wäre eine weitere Untersuchung von Holzproben aus anderen Gebäudeteilen notwendig.


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