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Von den Bergen rollt das Feuerrad



Ein alter Volksbrauch ist in Obersinn bis heute erhalten geblieben: Am Fastnachtsmontag huldigt man einer uralten Sitte, dem Abbrennen des "Feuerrads", im Volksmunde des "Feuerrädchens", genannt. Dieser uralte Brauch in einer fast unverfälschten Form hat sich, soweit bekannt, bei uns in Obersinn und in dem Spessartdorfe Neuhütten und in einigen Dörfern des Odenwalds, so in Schönau und in Altneudorf, erhalten. Dieses Feuerabbrennen dürfte wohl eine Anlehnung an die Bräuche unserer Ahnen, der alten Germanen, sein. Zur Sonnenwende, dem Tag, da die Sonne wieder die Herrschaft über die trübe Winterzeit gewinnt, brannte man Freudenfeuer, Lichtfeuer, ab, man huldigte damit der Göttin Freya, der Lichtgöttin. Glühende Feuerkugeln rollten von den Bergen ins Tal, man wollte symbolisch andeuten, dass man sich reinige von den alten Schlacken, von der Finsternis und Bitterkeit der trüben Winterzeit.


Schon tagelang zuvor hat die Führungsmannschaft des Dorfes dafür gesorgt, dass genügend Stroh und sonstiges brennbares Material zusammenkommt. Das Material wird dann zu dem "Feuerrad" verarbeitet. An einer einige Meter langen Stange wird das Stroh aufgerichtet bis zu einer fast 2 Meter Durchmesser haltenden Kugel. Es ist eine harte Arbeit und viele Schweißtropfen kostet es dann, um das Rad an seinen Feuerplatz, den "Brunnenberg", der zweifelsohne eine alte Kultstätte unserer Ahnen war, zu schaffen. Die Dorfjugend beteiligt sich vollzählig. Nach dem Abendläuten bei anbrechender Dunkelheit wird dann ein Feuer angezündet und unter allerlei Sprüchen darüber gesprungen und dann kommt der für das ganze Dorf erwartungsvolle Anblick, da das Feuerrad angezündet und die rasende Feuersäule in natürlich größtem Tempo den Berg herunter gerollt wird, wo sie dann am Fuße des Berges in die dort fließende Sinn gestürzt wird und da zum Erlöschen kommt. Die Buben stecken ihre Besen in das Feuer, schwingen sie in der Luft und begleiten das Rollen der feurigen Glut im Dunkel der Nacht bis an das Wasser.

Das ganze Dorf, alt und jung, ist auf den Beinen; es geht ein mystisches Ahnen durch alle. Weiß doch niemand, woher der Brauch gekommen ist und wie alt er ist. Aber mit Zähigkeit wird an diesem Brauchtum festgehalten. Unten am Wasser werfen dann die Kinder die brennenden Besen auf die verlöschende Glut. Man glaubt an das Feuerrad, an seine reinigende Wirkung und daran wird festgehalten, dass jedes Jahr wieder das Feuerrad abgelassen wird.

Nach dem Abbrennen erhalten dann die Burschen, die die schwere Arbeit verrichteten, ein Geschenk von jedem Hausvater. Sie gehen dabei von Haus zu Haus und singen das uralte Brauchlied:

Rose, Rose, Blümelein,
Feuer ist das Rädelein.
Laßt uns nicht so lange steh`n,
denn wir woll`n noch weiter geh`n.
Drobe am Schornstäe (Schornstein)
hänge lange Saubäe (Saubein)
und dort im Hühnerhaus
hängt ´n Korb voll Äer (Eier) raus.
Rose, Rose, Blümelein,
Feuer ist das Rädelein.
Er hat sie ni(e)t vergabes (vergebens) liab.
Rose, Rose, Blümelein...
Der Johann (oder Franz usw.) hat sei Frau liab.

Das Lied wird so lange wiederholt, bis der Hausvater das erbetene Geschenk in Gestalt einer Hausmacherwurst, Schinken oder Eier oder dem nötigen Zehrgeld, denn zum eigentlichen Durstlöschen bedarf es nun des guten Trunks, abgeliefert hat. Die "Krebbel" (Krapfen) wurden von den Hausfrauen schon gebacken und im ganzen Dorf riecht und schmeckt es nach dieser köstlichen Fastnachtsspeise. Gemeinsam wird dann das gesammelte Essmaterial im Dorfwirtshaus bei gutem Trunke verzehrt, wobei man sich bis in die tiefe Nacht hinein von alten Tagen und Gebräuchen erzählt. Zu Hause träumen die Jüngsten von dem Erlebnisse des "Feuerrads".

Zweifelsohne von größtem Interesse ist es, zu sehen, dass sich uraltes Brauchtum in solch unverfälschter Form in unsere Zeit herübergerettet hat und dass die Dorfjugend es nicht der Vergessenheit anheim fallen lässt.



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