Fotovorschau und Logo ausblenden
Quick-Navigator:
Suche:
Sie sind hier: Fellen » Leben in Mittelsinn » Vom Fahnenflüchtigen zum Businessman 

Vom Fahnenflüchtigen zum Businessman



Nikolaus Keßler wurde am 06. Februar 1865 als Sohn des Schumachers Andreas Keßler und dessen Frau Karoline, geb. Fischer, in Fellen geboren. Karoline stammte aus dem Elternhaus von Andreas Fischer. Sie war eine Schwester von Konrad Fischer, dem Vater von Andreas.
Die Eltern bewirtschafteten ein kleines Söldengütchen. Neben Nikolaus hatten die beiden noch zwei weitere Kinder, nämlich den Sohn Johann Joseph und die Tochter Rosina. Nach dem Tod des Vaters 1869 bekam Nikolaus noch zwei Halbbrüder, Valentin und Wendelin, die aber den Mädchennamen der Mutter (Fischer) erhielten.

Bei einem Aufenthalt in Nürnberg meldete sich der junge Nikolaus zum Militärdienst und wurde kurz darauf zum 15. Infanterie-Regiment in Neuburg eingezogen. Doch er bereute seinen Entschluss schnell und wanderte schließlich noch vor seiner Einberufung am 09. September 1885 nach Amerika aus. Dadurch entzog er sich seiner gesetzlichen Dienstpflicht.

In New York arbeitete Nikolaus offensichtlich erfolgreich in seinem erlernten Handwerksberuf als Stukkateur, denn er unterstützte seine beiden Brüder in der alten Heimat finanziell. So schnell er konnte nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Am 15. April 1891 heiratete er in der St. Joseph's Church of Yorkville in New York Elisabeth Schwarz. Sie brachte ihre Tochter Johanna mit in die Ehe, die bereits im Jahre 1909 verstarb. Eigene Kinder blieben dem Paar allerdings versagt.

Nikolaus Bruder Joseph, von Beruf Tüncher, folgte ihm später nach Amerika und fand in der Firma von Nikolaus, der "Keßler-Stevenson Corporation", Arbeit.
Allerdings zog er sich bei einem Sturz vom Gerüst so schwere Verletzungen zu, dass er daran starb.

Links auf dem Bild, das offensichtlich die Vorbereitung einer Ballonfahrt zeigt, ist Nikolaus zu sehen.
Links auf dem Bild, das offensichtlich die Vorbereitung einer Ballonfahrt zeigt, ist Nikolaus zu sehen.

Nur zu gern hätte Nikolaus seine Mutter in Fellen besucht, allerdings war ihm dies nicht möglich, da ihm wegen der Fahnenflucht Gefängnis drohte. Karoline Keßler, bereits 74 Jahre alt, schrieb deshalb im Jahr 1909 sogar einen Bittbrief an den "allerdurchlauchtigsten Prinzen und Regenten und allergnädigsten Regenten und Herrn". Da sie am Rande des Grabes stünde, würde es für sie das höchste Glück auf Erden bedeuten, wenn sie ihren Sohn noch einmal sehen könnte, schrieb sie. Sie selbst könne, wegen ihres hohen Alters, die Reise nach Amerika nicht unternehmen. Weil aber ein rechtskräftiges Strafurteil noch nicht ergangen war, sah sich das Gericht der 6. Division in Regensburg nicht imstande eine Begnadigung auszusprechen. Es bleibe Nikolaus Keßler überlassen sich freiwillig zu stellen und somit eine Aburteilung herbeizuführen.

Nikolaus ist der rechte Mann im Korb. Die Fahrt wurde offenbar nicht ohne ihn unternommen...
Nikolaus ist der rechte Mann im Korb. Die Fahrt wurde offenbar nicht ohne ihn unternommen...

Als im Jahr 1919 Nikolaus Frau Elisabeth starb beschloss der Witwer in die Heimat zurückzukehren. Ohne Wehmut kehrte er 1920 Amerika den Rücken, denn die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich zusehends. Briefe, die er später von seinen Freunden aus Amerika geschickt bekam, schildern die immer schwieriger werdende Lage. Demnach hätten viele Geschäfte zugemacht und die Preise würden unaufhörlich steigen. "Es ist jetzt ganz anders wie früher und wenn du die Ave. A und 7te Straße wieder sehen würdest, so würdest du froh sein wieder weiter zu gehen. Nichts wie Juden, Slowaken und Polen. Es scheint als gäb's gar keine Deutschen mehr im alten deutschen Viertel", schrieb sein Freund Geo. W. Meister am 19. Juli 1922. Er klagte auch, dass es mit seinen Rücklagen für den Lebensabend nicht zum Besten stünde und eine Rückkehr in den Schwarzwald könne er sich deshalb nicht leisten. Das Vereinsleben, er war in einem Turnverein, sei auch futsch, seit es kein Bier und Wein mehr gäbe. Nur die Hessen-Darmstädter würden noch ihre Meetings halten, zu denen aber auch nur noch 5 bis 6 Personen kämen.

Nikolaus hielt sich nach seiner Rückkehr zunächst in der neutralen Schweiz auf und traf sich dort mit seinem Halbbruder Wendelin, der in diesem Jahr aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. Schließlich war es ihm möglich sich in Frankfurt niederzulassen. Er baute, beziehungsweise kaufte, drei Mietshäuser im Holzhausen Park und wohnte dort mit seiner Lebensgefährtin. Seinem Bruder Wendelin und dessen Frau Anna ermöglichte er es ebenfalls ein Haus zu erwerben.
In Frankfurt verstarb er am 18. Januar 1923 dann auch.

In seinem Testament, das am 08. Juni 1920 in New York abgefasst wurde, bedachte er seine Halbbrüder Wendelin und Valentin Fischer und seine Schwägerin Therese Keßler in Schweinfurt. Außerdem sollten seine Cousine Katharina Reinhard, die ebenfalls in New York, 6 John Street, Borough of Brooklyn, wohnte, und sein Cousin Andreas Fischer in Braddock, Pennsylvania, jeweils 1.000 $ bekommen. Sein Geschäftspartner und Freund Otto Stevenson, der auch mit der Vollstreckung des letzten Willens beauftragt wurde, sollte seine Liegenschaft Nr. 439 East 14th Street, Borough of Manhattan, City of New York, erhalten.
In einem späteren Testament (vom 08. Mai 1922), das nach er nach seiner Rückkehr in Deutschland verfasst hatte, setzte er Brüder und Schwägerin jeweils zu einem Drittel ein. Die Liegenschaft in New York bekam Otto Stevenson. Wendelin Fischer wurde als Testamentsvollstrecker angegeben. Ihm wurde freigestellt, seine Liegenschaft in Frankfurt zu verkaufen oder bis zu einem eventuellen Verkauf gegen ein Honorar zu verwalten.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Häuser verkauft. Eines war im Krieg vollständig zerstört worden.


Das Foto entstand am 4. März 1921 "at Sea" auf der Überfahrt Hamburg - New York. Nikolaus Keßler ist rechts zu sehen
Private Auflistung von Ausgaben auf einem Formular der Keßler-Stevenson Corporation
nach oben  nach oben
www.msp-info.de www.kommune-aktiv.de

Verwaltungsgemeinschaft Burgsinn
Burgweg 1 | 97775 Burgsinn | Tel.: 09356 9910-0 | info@vgem-burgsinn.de
  OK  
Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung