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Die Ortsgeschichte in der Zeit von 1850 bis 1910


Lehrer Georg Schreiber
Der Lehrer Georg Schreiber unterrichtete etwa von 1880 bis 1910 an der ersten Schule in Burgsinn. Nach seiner Pensionierung fand er Zeit Erlebtes, Wissenswertes, Sagen und Geschichten in insgesamt zehn kleinen Heften für die Nachwelt festzuhalten. Leider ist bisher nur das letzte Heft aus dem Jahr 1912 verfügbar. In ihm befasst sich Schreiber mit der Geschichte der Marktgemeinde im Zeitraum 1850 bis 1910.

Im Jahr 1850 war Burgsinn eine der ärmsten Gemeinden im Reich. Die Bevölkerung führte lt. den Aufzeichnungen des Lehrers zu jener Zeit kein menschenwürdiges Dasein.
Die Lohnverdienste für Arbeiterfamilien waren gering. Bei den Pächtern auf den beiden Schlosshöfen erhielt der Arbeiter bei magerer Kost zehn Kreuzer als Taglohn und musste damit Gemeinde-, Schul- und Kirchenumlagen bezahlen sowie Geld zur Führung des Waldprozesses aufbringen.

Die Landwirtschaft stand zu jener Zeit auf sehr niedriger Stufe. Der "Zehnten" wurde von den Feldern noch eingehoben. Viele Felder lagen als sogenannte Brachfelder noch öde und unbebaut da. Gründung, zum Beispiel Lupinen kannte man damals noch nicht. Der Viehstand war geringwertig. Die mageren Kühe, die meist auf der Weide im Wald genährt wurden, litten schwer durch die Holzfuhren, die fortwährend über hohe Bergstraßen nach Gemünden an den Main verbracht werden mussten. Viel Holz kam als Flößholz durch den Sinnfluß zum Main. Auch die Kindererziehung wurde von den ärmlichen Verhältnissen stark beeinträchtigt. Viele Kinder kamen unreinlich an Körper und Kleidung, verwahrlost und mit leerem Magen zur Schule.

Die Ortswege waren - vor allem bei Regen - wegen Schmutz und Kot nur schwer passierbar. Gegen die Nachbarorte führten überhaupt keine Straßen; es ging durch Schluchten und Hohlwege, wobei es oft zu Verdrießlichkeiten und Streitigkeiten beim Ausweichen der Gefährte kam. Es gab außerdem nur gegen Mittelsinn eine Brücke über die Sinn. Am sogenannten Mühlfurt, gegen Rieneck, mussten die Wagen, um zu den jenseits der Sinn liegenden Feldern und Wiesen zu gelangen, unter Gefahren für Menschen und Zugtieren durch den Fluss gefahren werden.

An Gebäuden mangelten Rathaus, Armenhaus, etc. Kirche, Schul- und Pfarrhäuser waren baufällig, ärmlich und längst nicht mehr ausreichend. Private Wohnhäuser waren meist ruinös und zu klein, was der Gesundheit von Mensch und Tier noch zusätzlich schadete.
Der Leichenhof lag seinerzeit zudem inmitten des Ortsteils "Hinterkirch" - von Wohnhäusern umgeben.

Traurig stand es, wie gesagt, um den Verkehr. Jede Verbindung nach außen war abgeschnitten. Nur einmal in der Woche brachte ein Bote Zeitungen und Briefe von Würzburg nach Burgsinn und erst um das Jahr 1860 wurde die Postverbindung zwischen Orb und Würzburg über Burgsinn eingerichtet.


Im Jahr 1862 kam Burgsinn dann endlich in den provisorischen Besitz seines Walds, um welchen es mit den Freiherrn von Thüngen über 300 Jahre gestritten hatte.
Von da an war die Not zu Ende. Noch im gleichen Jahr wurde das katholische Schulhaus nächst der Kirche neu gebaut und bald darauf auch das protestantische Schulhaus erneuert. Im Jahr 1891 wurde das neue zweite katholische Schulhaus errichtet - eines der schönsten Gebäude im Ort. Unlängst nach Ende des Waldprozesses, nämlich im Jahre 1865, wurde schließlich das neue Rathaus sowie das Armenhaus erbaut.

Nun im Besitze des freien Bauholzbezugs aus dem Wald entstanden auch viele private Gebäude - darunter geschmackvolle neue Wohn- und Geschäftshäuser - hier soll nur die Apotheke genannt werden. Die beiden Pfarrhäuser wurden ums Jahr 1890 neu erbaut.

Erst im Jahre 1908 und 1909 wurde die baufällige Kirche gründlich repariert und bedeutend vergrößert. Ein neuer Leichenhof wurde 1874 - endlich außerhalb des Ortes - errichtet. Dieser durfte mit seinen herrlichen Zierbäumen als einer der schönsten Friedhöfe des Landes gelten.
Neue Häuserreihen gegen Fellen und Mittelsinn kamen alsbald zur Ausführung.

Von 1862 an kam es zur Errichtung neuer Ortsstraßen und zur Pflasterung der schlimmsten Stellen. Einige Jahre später kamen die Straßen gegen Mittelsinn und die umliegenden Ortschaften zustande. Die nötigen Brücken über die Sinn wurden ebenfalls erbaut. Zudem erhielt Burgsinn nach dem Jahre 1862 eine dringend notwendige Wasserleitung mit öffentlichen Springbrunnen.

Im Jahre 1872 begann dann der Bau der Eisenbahnlinie und Burgsinn wurde Hauptstation. Damit hielt neues Leben in den von aller Welt abgeschlossenen Ort Einzug. Reichlich Verdienst für die Bahnarbeiter, die Geschäftsleute und ebenso für die Bauern, die das Holz aus den umliegenden Waldungen aus Rhön und Spessart zur Bahn lieferten, gingen damit einher.

Durch den neu geschaffenen Talübergang zur Eisenbahn war dem Ort auch eine neue Zierde zugekommen. Der Übergang war mit Alleebäumen sowie einem herrlichen Steg über den Fluss geschmückt.
Die um den nördlichen Ortsteil, die Hinterkirch, führende, sogenannte Ringstraße gegen die Sinnbrücke zum Bahnhof dürfe nicht unerwähnt bleiben, so der Lehrer weiter. Vorher mussten nämlich alle Lastfuhren mühsam über den hoch gelegenen Kirchplatz, durch den nördlichen Ortsteil zur Brücke gegen Mittelsinn und zum Bahnhof gebracht werden.

Schließlich entstanden auch zwei neue Fabriken (Holzindustrie) in Burgsinn. Die Fabrikbesitzer, Herr Reitz und Herr Knauf, errichteten sich ihre Villen dazu. Fortan gab es für Hunderte von Arbeitern genug zu tun. Der Fabrikbesitzer Reitz (Spulenfabrik) kümmerte sich weiterhin um die Ausstattung vieler Wohnhäuser mit elektrischem Licht (1905).

Durch eine Stiftung ermöglicht wurde später die Kleinkinderbewahranstalt geschaffen. Dem Gebäude wurde alsbald eine Warmbadeanstalt angegliedert, in der sogar Lichtbäder zu haben waren. Die Badeanstalt war ein großherziges Geschenk des unverehelichten Freiherrn Karl von Thüngen, der dann daneben noch ein großes Freibad im Sinnflusse für alle Gemeindeangehörigen unter Aufwand einer Summe von vielen tausend Mark errichten ließ.

Zu all dem Guten und Förderlichen, was Burgsinn vielen anderen Gemeinden bereits voraus hatte, kam schließlich auch noch ein besonderer Glücksumstand hinzu. Eine Aktiengesellschaft (Excelsior), die in nächster Nähe des Ortes nach Kali bohren ließ, förderte einen Solsprudel zutage, welcher in seltener Mächtigkeit 20 Meter hoch in die Höhe sprang und ein Wasser bester Qualität an Kohlensäure und Salzgehalt enthielt.

Der Sprudel wurde am 03. November 1910 erbohrt - blieb aber am 03. November 1911 wieder aus, weil an der bereits 300 Meter tiefen Röhre in ungeeigneter Weise bis auf 600 Meter weiter gebohrt wurde. Im Januar 1912, also nach Jahresfrist, kam der Sprudel allerdings glücklicherweise wieder zum Vorschein.
Seitens der Gesellschaft, deren Eigentum das Wasser in Folge Ankaufs geworden ist, wurden Gebäude zur Gewinnung von Kohlensäure errichtet. Unter allen Umständen haben die hiesigen Bewohner große Vorteile aus dieser neuen Errungenschaft zu erhoffen.

So habe er versucht seinen Heimatort Burgsinn in der Zeit von "sonst" und "jetzt" zu schildern, schreibt der Lehrer Georg Schreiber abschließend, und seiner Meinung nach besteht nunmehr die Gewissheit, dass Burgsinn, gelegen im waldreichen, romantischen Sinntale zwischen Rhön und Spessart, an der direkten Bahnlinie zwischen München und Berlin und Hamburg, eine der glücklichsten Gemeinden des Landes ist.
Nur wenige Gemeinden könnten - wie Burgsinn - von sich sagen, dass ihre Bewohner freien Holz- und Streubezug aus ihrem eigenen Gemeindewald haben und dass dieselben frei sind von Gemeinde-, Schul-, Armen- und Kirchenumlagen und ihre Schulkinder vollständige Lehr- und Lernmittelfreiheit genießen.


Firma Reitz um das Jahr 1900


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