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Ziegelhütte / Ziegelschlag



Geschichte der Ziegelhütte

1703 Die Siedlung Ziegelhütte entsteht zur gewerblichen Nutzung des tonreichen, weil grundwassernahen, Bodens in einer Ziegelbrennerei. Lehm und Holz als Roh-, Bau- und Brennstoff ist jeweils reichlich vorhanden.
1814 Das Gebiet wird Teil des Königreichs Bayern.
1826 Erwähnung von Holz- und Entnahmerechten an Lehm sowie landwirtschaftlichen Nutzungsrechten in Zieglerfeld, aber auch Pflichten, wie beispielsweise die Mitwirkung im Forstbetrieb sowie die Lieferung von Ziegeln.
1837 Wirtschaftliche Übernutzung und gesellschaftlicher Niedergang
Die Ziegelei wird wegen Mangel an Holz zunehmend im Nebenerwerb betrieben. Sie ist nun Herberge mit Branntweinwirtschaft und dient Schmugglern, Holz- und Wilddieben als Treffpunkt.
1866 Durch Friedensvertrag kommt Jossgrund zu Hessen. Der Sinngrund bleibt bei Bayern. Die Ziegelhütte kommt zur Gemeinde Aura.
1872 Erfolgreicher Ankauf von Grundstücken und Rechten (7.000 Gulden) durch die Forstverwaltung,
Gebäudereste werden weitestgehend abgetragen
1975 Rekonstruktion der Brunnenanlage durch die Bayer. Staatsforstverwaltung, Forstamt Mittelsinn
2007 nach den Schäden durch den Orkan Kyrill entstehen Feuchtbiotope (siehe Foto unten)
2009 Erneuerung des Brunnen durch die Bayer. Staatsforsten, Forstbetrieb Hammelburg


"Zentrum der Diebe"
Die Ziegelhütte bei Burgjoß

1540 verkaufen Ludwig und Cuntz von Hutten ihr freieigentümliches Schloss Burgjoß mit Zugehörungen, darunter auch das Gebiet der Ziegelhütte zwischen Burgjoß und Aura, an das Erzstift Mainz.
Zwischen Hanauer Berg und Schubertswald entspringt in der Nähe der Wegkreuzung, scherzhaft "Stachus" genannt, eine Quelle, in deren Umkreis Ton lagert. Ihn benutzte man für die Herstellung von Tonziegeln. Um die Ziegelei siedelten sich die Familien der Arbeiter an, so dass bald ein kleiner Weiler entstand.
Die ungefähr seit 1703 bestehende Ziegelhütte am Abhang des Hanauer Berges an der Grenze des mainzischen Burgjösser und vierherrschaftlichen Auraer Waldes war aber auch ein "Zentrum für Diebe". In der vorhandenen Branntweinschänke konnte das Diebesgut abgesetzt werden, nahe Grenzen und der Wald vor dem Haus schützten die Übeltäter.

Das Burgjösser Taufregister lässt einen Rückschluss auf die Größe der Siedlung zu. Um 1720 waren demnach dort drei Familien ansässig. 1722 ließen Isaak und Margaretha Anna Schmitt ihren Sohn Johann Georg taufen, 1729 ihre Tochter Franziska, 1725 Johann und Anna Huhn ihre Tochter Elisabeth und1734 Nikolaus und Margaretha Lauer ihre Tochter Anna Barbara.

In den Erhebungen des Ministers Montgelas von 1814 wurde die Ziegelhütte als Einzelhof mit einem Untertan angeführt. Die Ziegelei war offensichtlich bereits nach einem Jahrhundert im Niedergang begriffen.
Die Vogtei übte das kurmainzische Vogteiamt Burgjoß (später aschaffenburgisches Amt) aus, hochgerichtlich gehört die Hütte zum kurmainzischen Zentamt Burgjoß-Orb. Abgabepflichtig war die Ziegelhütte mit Behausung der Kellerei Burgjoß.

1810 wurde das neu geschaffene Großherzogtum Frankfurt zu dessen Fürstprimas der Reicherzkanzler, Kurfürst und Anhänger Napoleons, Karl Theodor von Dalberg, aufgestiegen war nach französischem Vorbild in Departements oder Präfekturen eingeteilt. Diese Präfekturen unterteilte man wieder in Distriktmairien. Die Ziegelhütte gehörte zum Distrikt Burgjoß-Aura.
Nach 1814 wird die Hütte dem bayerischen Landgericht Aura i. Sgr. unterstellt. Adam Götz führt in seiner geografischen Beschreibung des Untermainkreises als Ortschaft des Landgericht-Bezirks Aura Deutelbach, eine Filiale von Oberndorf, die mit Burgjoß eine Gemeinde bildet, an. Sie zählt 7 Familien mit 46 Seelen. Zu Deutelbach gehören außerdem das Glaswerk Emmerichsthal und die Ziegelhütte.
1828 wird die Ziegelhütte dem Landgericht Orb und 1866 dem Bezirksamt Gemünden zugeordnet.
1841 wandert Elisabeth Rösch von der Ziegelhütte, 1843 Wilhelmine und 1848 Adolf nach Nordamerika aus.
Letzter Besitzer war Johann Rösch mit seiner Familie. Die Rösch galten in der Umgebung als reich und sozial, weil sie ihr Geld unter die Leute brachten. Zwei Gründe führten zum Niedergang der Hütte. Zum einen waren die Holzvorräte des eigenen Waldes erschöpft und das Holz des umliegenden Staatswaldes zu teuer, zum anderen lebten die Brüder des Johann Rösch auf großem Fuß. Diese wanderten ebenfalls nach Amerika aus. Ein weiterer Bruder eröffnete nach Auszahlung seines Erbes einen Holzhandel in Schweinfurt. Hätte sein Bruder nicht eine Bürgschaft von 5000 Gulden übernommen, wäre er bald bankrott gewesen.
Zusätzliche Probleme brachte die neue Sinntalbahn ab 1874. Mit ihr wurden preisgünstigere Ziegel geliefert und Kohle für neue Ziegeleien in ihrer Nähe.
Trotz des Verkaufes der großen Privatwälder war die Hütte nicht mehr zu retten. Um 1880 wurde sie aufgegeben und die Familie zog mit Melchior Rösch nach Mittelsinn.
Heute erinnern noch ein instandgesetzter Ziehbrunnen und einige Mauerreste an die Siedlung.

Das Forsthaus Zieglerfeld im Tal erhielt seinen Namen von der einstigen Ziegelei.
Gemeindlich gehörte Zieglerfeld weiterhin zu Burgjoß. Erst nach dem Friedensvertrag von1866 werden Deutelbach und das Forsthaus Zieglerfeld, am Fuße des Hanauer Berges dort, wo der Stein-Grund in den Aura-Grund mündet, gelegen, der Gemeinde Aura im Sinngrund eingegliedert. 1928 wird Zieglerfeld wieder aus dem Gemeindeverband Aura entlassen und für "ausmärkisch" erklärt.

Neben der allgemeinen Gesetzgebung für das Königreich Bayern spiegelten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Partikularrechte die alten Herrschaftsverhältnisse wieder. So galt für die Ziegelhütte weitgehend das Mainzer Landrecht.



Karl Richter: Historischer Atlas von Bayern, Gemünden. München 1963
Msgr. Johann Rützel: Chroniklesebuch Jossgrund, Jossgrund 1989
Lothar Fuchs: Zeitungsartikel im Main-Echo, 11.02.1995

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