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Ortsteil Emmerichsthal


Emmerichsthal aus der Vogelperspektive fotografiert am 21.04.2007
Der Weiler Emmerichsthal liegt abseits der großen Verkehrsstraßen und fernab der geschäftigen Welt. Der Ort hat zwar schon immer nur wenige Einwohner, kann aber trotzdem auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken.

Nicht von ungefähr trägt das kleine Nebental der Jossa, in dem das heutige Emmerichsthal liegt, den Namen "Steinbachsgrund". Bevor dort nämlich im 18. Jahrhundert eine geplante Ansiedlung errichtet wurde, hatte Jahrhunderte zuvor an dieser Stelle ein kleines Dorf existiert, das den Namen Steinbach trug. Die Erinnerung daran ist in den umliegenden Dörfern bis heute wach geblieben, so dass man dort herkömmlicherweise noch von "de Schtämich" spricht, wenn man Emmerichsthal meint. In einigen Urkunden aus dem 14. Jahrhundert wird der Ort Steinbach sogar mit dem Zusatz "vor dem Wald" versehen; die "Schtämicher" waren demnach nicht als "Hinterwäldler" bekannt.

Die früheste Erwähnung des Örtchens Steinbach fällt in die Zeit zwischen 1303 und 1313. Damals verlieh der Würzburger Bischof Andreas von Gundelfingen dem Fridericus von Hutten das Recht zur Erhebung des Zehnten auf der Flur von Steinbach. Auch die adeligen Diemar aus Rieneck, die aber nicht dem Grafengeschlecht der Rienecker entstammten, erhielten irgendwann in diesem Zeitraum die Genehmigung, auf der Gemarkung des Dörfchens ein Drittel des Getreidezehnten einzustreichen. Das Zehntrecht wurde den Diemar in den Folgejahren mehrfach bestätigt. Steinhach war damals also eine bäuerlich bestimmte Siedlung.

Die Tatsache, dass das Hochstift Würzburg in Steinbach das Zehntrecht innehatte und das Örtchen in den Grenzen des hochstiftisch-würzburgischen Gerichtsbezirks Mittelsinn lag, spricht dafür, dass Steinbach nicht von den Herren von Jossa (Jazaha) gegründet wurde, wie mitunter angenommen wird. Diese Herren, die ihren Stammsitz im heutigen Burgjoss hatten und sich danach benannten, wurden später von den Herrn von Thüngen und den Herrn von Hutten ausgekauft. Die von Thüngen haben in dieser Zeit auch Güter und Rechte in Steinbach an sich gebracht. 1447 verkaufte Dietz VI. von Thüngen seinen Besitz in Steinbach an Lorenz von Hutten.

Die frühere staatlich-bayerische Försterei aus dem Jahr 1890 mit ihren umfangreichen Nebengebäuden ca. 400 m unterhalb des eigentlichen Weilers. Die aus Sandstein errichteten Gebäude befinden sich noch im Besitz der Bayer. Staatsforstverwaltung.Über das Schicksal Steinbachs in den nächsten hundert Jahren sind wir nicht unterrichtet. Es ist lediglich bekannt, dass der Ort im Jahr 1540 aus der Hand der Herren von Hutten an das Erzstift Mainz kam und dass er 1573 noch in einer Mainzer Urkunde genannt wurde. Mit Sicherheit war aber die kleine Ansiedlung zu diesem Zeitpunkt bereits von ihren Bewohnern verlassen worden und war "wüstgefallen", wie die Siedlungshistoriker zu sagen pflegen. Jedenfalls ist sie auf einer Karte der Grafschaft Rieneck aus der Zeit um 1580 nicht mehr verzeichnet und wird auch in einer Urkunde aus dem Jahr 1573 als "gewesenes" Dorf apostrophiert. Überall in Deutschland sind Ortschaften im späten Mittelalter eingegangen und zu solchen Wüstungen geworden; wir kennen mehrere solche verlassenen Dorfstellen u.a. auch aus dem Sinngrund.

Für zweihundert bis dreihundert Jahre lag die Ortsstelle der alten Siedlung Steinbach nun verödet. Was blieb, war der Versuch der mainzischen Verwaltung, aus dem Waldbestiz des Erzstifts an dieser Stelle Kapital zu schlagen. Misslich dabei war aber, dass diese Wälder zu weit von Mainz und allen damaligen wirtschaftlichen Zentren entfernt waren, um den Holzreichtum gewinnbringend vermarkten zu können. Schließlich kam man im 18. Jahrhundert an der kurfürstlichen Rentkammer auf die Idee, an der Siedlungsstelle des früheren Ortes Steinbach eine Glashütte zu errichten. Die Glasgewinnung erfordert zum Erschmelzen der Glasmasse gewaltige Brennstoffmengen; Holz war aber dort im Überfluss vorhanden. Die Glashütte wurde in den Jahren 1765 bis 1768 fertiggestellt und der Ort zu Ehren des damals regierenden Mainzer Bischofs und Kurfürsten Emmerich von Breidbach-Bürresheim Emmerichsthal genannt. Diesen Namen behielt die kleine Siedlung bis heute bei.

Unter der Regie der mainzischen Amtskellerei in Burgjoß entstanden zunächst das Glashüttengebäude und ein stattliches zweistöckiges Wohnhaus samt Viehstall. Der Mainzer Staat betrieb aber die Hütte bald nicht mehr in eigener Regie, sondern verpachtete sie. Der erste Pächter namens Anton Zahn baute auf eigene Kosten noch weitere Nebengebäude und auch kleine Wohnungen dazu - wohl für die Glasmacher - und begann 1768 mit 15 Mitarbeitern den Hüttenbetrieb. An die Stelle der einstigen bäuerlichen Siedlung war jetzt also eine gewerbIiche Siedlung getreten.

Die erwarteten Erfolge haben sich offensichtlich nicht eingestellt, denn in den Folgejahren wechselten die Pächter mehrmals. Der letzte Pächter war Karl Beck aus Büdingen, der die Hütte 1817 kaufte, aber damit bald in Konkurs ging. Ab 1826 wurde die Glasproduktion endgültig eingestellt.

Wir dürfen mit Sicherheit annehmen, dass die Glasarbeiter und die bei der Hütte beschäftigten Holzfäller und Fuhrleute ihren Lebensunterhalt nicht allein aus ihrer betrieblichen Arbeit bestreiten konnten, zumal sie durch deren schlechte wirtschaftliche Lage oft lange auf ihren Lohn warten mussten. Sie haben sich mit landwirtschaftlichen Nebenbetrieben über Wasser gehalten. Auf diese Weise hat der kleine Ort langsam wieder das landwirtschaftliche Gepräge zurückgewonnen, das seine Vorgängersiedlung Jahrhunderte zuvor gehabt hatte. Nach der Auflassung der Hütte konnten diejenigen, die weiterhin dort wohnen blieben, ohnehin nur durch Viehzucht und mageren Ackerbau, ergänzt durch Holzfällerei oder durch Tätigkeit außerhalb Emmerichsthals, ihren Lebensunterhalt sichern.

Nach der Säkularisation von 1803 war Emmerichsthal, das bis zu diesem Jahr politisch zu Burgjoss und kirchlich zu der Pfarrei Oberndorf gehörte, noch einige Jahre in mainzischer Hand. Danach teilte es das Schicksal der umliegenden Ortschaften und wechselte ebenso häufig wie diese seine territoriale Besitzzugehörigkeit. Mal gehörte es zum Fürstentum Aschaffenburg, mal zum Großherzogtum Frankfurt, und schließlich ab 1814 zum Königreich Bayern. Es blieb aber zunächst dem Ort Burgjoss und dem Gericht Orb zugeordnet.

Nach dem preußisch-bayerischen Krieg von 1866 gab es im Jossgrund eine neue Grenzziehung, die die Jossgrundorte und das Amt Orb von Bayern abtrennte. Bei dieser staatlichen Neuordnung blieb Emmerichsthal jedoch bayerisch und kam zu der Gemeinde Obersinn. Der Jossgrund dagegen wurde preußisch, später dann hessisch.

Aus den Gründungsjahren Emmerichsthals 1766/68 blieben bis heute das zweistöckige Wohnhaus (Herrenhaus) und das heute als Scheune und Stallung hergerichtete Glashüttengebäude erhalten.

Das Leben ist in dem kleinen Ort auch keineswegs erloschen. Der so idyllisch am oberen Ende des Steinbachgrunds gelegene heutige Weiler Emmerichsthal geht möglicherweise einer hoffnungsvollen Zukunft als Touristenziel entgegen. Aufgrund des von der Familie Preisendörfer betriebenen einladenden Gasthauses "Waldesruh" (siehe Foto unten) ist er schon lange ein beliebtes Ausflugsziel für Menschen, die Ruhe und Natur schätzen.

Der vorstehende Text wurde freundlicherweise von den Autoren Gundolf Weismantel und Dr. Ludwig Reusch zur Verfügung gestellt. Abgedruckt ist er im Büchlein "Herrschaften, Bauern und Glasmacher in Emmerichsthal", erschienen im Selbstverlag der beiden Autoren.

Gasthaus "Waldesruh"


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